Meine Güte, was für ein Tag! Als wenn ich es nicht geahnt hätte – die Überführung meines gebrauchten VW-Busses von München ins heimatliche Fürstenzell war ein einziges Fiasko – schlimmer geht’s fast nimmer!
Dabei begann der Tag doch so hoffnungsvoll: Ein Samstagmorgen wie er schöner kaum sein konnte… strahlender Sonnenschein mit sommerlichen Temperaturen. Ganz anders, als noch vor wenigen Wochen, wo ich bei Nieselwetter und kühlen 14° den Bus in München besichtigt hatte. Mein Mann und ich machten uns zeitig auf den Weg. Wir wollten am frühen Vormittag in München sein. Die Übergabe der Papiere und aller nötigen Formalitäten beim Händler dauerte nur nur knapp eine Stunde – die Einweisung des Verkäufers in die Geheimnisse des Busses vorbildlich. Tja, und dann gings los. Während mein Mann mit seinem Auto in Richtung Nürnberg weiter fuhr, nahm ICH Kurs auf die heimatliche Garage.

Schon nach den ersten gefahrenen Kilometern erinnerte ich mich deutlich an die Worte des Händlers beim ersten Verkaufsgespräch: “Frau B., sie werden “ihn” lieben!” Ja – ohne Zweifel, der gute Mann wusste wovon er sprach! Meine heimlichen Zweifel, ob ich mit so einem Bus überhaupt klar kommen würde, erwiesen sich als vollkommen unbegründet. Der Cali ist ein Ausbund an Übersichtlichkeit, spritzig und wendig in einem. Kein Lastwagenfeeling, sondern man cruist… lässig, cool, zu allen Schandtaten bereit – mit einem Wort: Geradezu perfekt!
Tja, wenn da nicht diese Panne gewesen wäre……
Etwa 45 km vor Deggendorf, ein schriller Warnton reisst mich aus meinen WoMo-Träumen. Auf der Anzeige des Cockpits blinkt hektisch das Symbol für den Kühlflüssigkeitsstand. Ich werde aufgefordert SOFORT aufzufüllen. Mein Gott, ich habe nicht mal einen Kugelschreiber im Auto – woher soll ich auf die Schnelle Kühlflüssigkeit nehmen?
Zuerst scheint es mir angebracht mein Tempo drastisch zu reduzieren, warum weiß ich auch nicht genau, aber es schadet sicher nicht. Verzweifelt versuche ich währenddessen eine Autobahnausfahrt auszumachen. Hier habe ich zum ersten Mal Glück im Unglück, denn nur wenige hundert Meter nach dem ersten Warnton der Kühlflüssigkeitsanzeige, erreiche ich die AB-Ausfahrt Großköllnbach. Ich parke auf dem nahen Pendlerparkplatz und schalte den Motor aus. Mein Traum als zukünftiger Wohnmobilist die Welt zu erobern, hat – das muss ich zugeben – in diesem Moment etwas an Farbe eingebüßt.
Was tun? Als erste Notmaßnahme rufe ich meinen Mann über Handy. Der ist nicht wenig erstaunt. Auf seinen Rat hin, schaue ich als erstes nach dem Behälter für die Kühlflüssigkeit. Überrascht muss ich feststellen, dass er – im Gegensatz zur letzten Kontrolle beim Händler – beinahe leer ist. Also führt kein Weg vorbei an der nächsten Tanke. Und wieder ist mir Fortuna hold! Unweit des Pendlerparkplatzes finde ich eine Tankstelle mit angehängter Werkstätte. Hier werde ich zum Glück darüber aufgeklärt, dass ich NICHT jede x-beliebige Kühlflüssigkeit verwenden darf und mich außerdem mit dem Auffüllen derselbigen gedulden muss, bis der Motor sich etwas abgekühlt hat, der Druck auf dem Kühlbehälter wäre noch viel zu groß. Spätestens ab hier mache ich mir ernsthaft Gedanken, wie praxisnah eigentlich das Bildungswesen in Deutschland ist.
Nach etwa einer halben Stunde Wartezeit, einem Liter frisch eingefüllter Kühlflüssigkeit und zwei weiteren Litern Kühlflüssigkeit im Handgepäck, setze ich meine Fahrt fort, hoffend, dass nun alles in Ordnung wäre. Kaum “cruise” ich wieder über die Autobahn, bimmelt die Kühlflüssigkeitsanzeige erneut. Das kann doch nicht wahr sein! Keine fünf Kilometer zuvor habe ich doch erst bis Oberkante Haaransatz nachgefüllt und jetzt soll schon wieder alles alle sein?!
Also – nochmal nächste Ausfahrt runter von der Autobahn. Die Suche nach einem Standplatz gestaltet sich jeoch etwas schwierig – die B20 ist eine Schnellstraße und Parkplätze am Seitenstreifen rar gesät. Während ich nervös Ausschau nach einer Parkbucht halte, wird der Text der Anzeige auf dem Cockpit immer dramatischer – ich soll SOFORT anhalten. Immerhin – mich freut die ausgefeilte Elektronik, die verhindert meinen Wagen nichtsahnend zu Schrott zu fahren. Nach qäulenden 5 Minuten werde ich endlich fündig. Gegenüber einer Notrufsäule gibt es die Möglichkeit zu parken. Als erstes kontrolliere ich erneut den Behälter für die Kühlflüssigkeit und stelle erschrocken fest, dass er schon wieder leer ist – DAS GIBT’S DOCH NICHT!
Wieder kontaktiere ich meinen Mann. Wir beschließen den ADAC-Pannenservice zu verständigen. Nach einer halben Ewigkeit ruft mich der für die Region zuständige Abschleppdienst an und erkundigt sich nach meinem genauen Standort. Jetzt heißt es nochmal warten – bei gefühlten 40° im Schatten war das nicht gerade das, was ich als prickelnd bezeichnen würde. Mein Mann verspricht mir derweil mich mit seinem Auto ab zu holen. Und was für ein Glück erst, dass ich ADAC Premium-Mitglied bin! Meine Wut auf den VW-Händler steigt in der Zwischenzeit proportional zu der Menge des Schweisses, der mir unablässlich die Klamotten durchnässt. Immerhin – die Wartezeit auf den Abschleppdienst nutze ich, um mich mit dem Handbuch des Cali’s auseinander zu setzen – CARPE DIEM!
Endlich sichte ich den Abschleppdienst im Rückspiegel des Wagens. Es dauert nicht lang und der Bus ist Huckepack genommen. Nach einer kurzen Lagebesprechung mit dem ADAC-Mitarbeiter und einem weiterem Telefonat mit meinem Mann, beschließen wir nach Landau zu fahren und dort die Zentrale des ADAC-Pannenservices zu kontaktieren, um das weitere Fortgehen der Bergung zu entscheiden. Der wirklich nette Herr im Abschleppwagen klärt mich nämlich darüber auf, dass er nur für einen bestimmten lokalen Bereich zuständig ist. In Landau angekommen, erfahre ich über Handy, dass mein Mann ebenfalls gerade die Stadt erreicht hat. Wir treffen uns beim örtlichen Fastfood-Lokal… was für ein Meeting!
Ein klärendes Gespräch mit der ADAC-Pannenzentrale bringt die Gewissheit, dass es vernünftiger ist, den Wagen über das Wochenende in der Werkstatthalle des Abschleppdienstes ab zu stellen. Wir erfahren, dass die ADAC-Einsatzwägen an diesem Samstag total überlastet sind und es daher schwierig sein wird, einen Pickup für die Heimfahrt nach Fürstenzell auf zu treiben. Am Montag – so verspricht man uns – wird der Wagen direkt zum örtlichen VW-Händler in Fürstenzell gebracht.
Mittlerweile ist es kurz vor 18 Uhr und noch immer brütend heiß, aber zumindest habe ich die tröstende Gewissheit, dass sich mein Bus in guten Händen befindet – wenn auch nicht in meinen eigenen. Während der Fahrt nach Hause beleuchten mein Mann und ich noch einmal von allen Seiten die Ereignisse des vergangenen Tages, weil….. wie prophezeite schon meine Mutter …. “wer sich zu sehr auf was freut…..